Donnerstag, 3. Februar 2011

Helga Meister, Kultur und Korruption?


Eine der altgedienten Galionsfiguren des rheinischen Kulturjournalismus.
























Kunst besprechen und kritisieren: das gehört selbstverständlich auch zum Alltag eher regional orientierter Gazetten wie der Westdeutschen Zeitung. Zu wenig untersucht wird die Bedeutung einzelner journalistischer Köpfe innerhalb der Feuilletons, bzw. der Kulturseiten, als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Machtfaktor. Die angesprochenen  Kulturjournalisten werden von Künstlern und Galerien zum Teil hofiert, zum Teil gefürchtet, fände man doch als kulturelle Leistung nur unzureichend statt, hätte man nicht ab und an eine Besprechung in Form eines redaktionellen Artikels (zumal, wenn man kein Blogger ist ...). Da halten viele, trotz mancher Ungerechtigkeit lieber den Mund, um sich den nächsten Pressebesuch nicht zu verscherzen. An welchen künstlerischen Vorstellungen und journalistischen Werten orientieren sich jedoch derzeit diese Journalisten? Aus welchen Quellen fliessen zusätzliche Honorare? Nach welchen Kriterien filtern Kultur-Journalisten Kunstinformationen für die Leser heraus? Welches gesellschaftliche Bild erzeugen sie damit? Um das genauer zu beleuchten, möchte ich ein konkretes, ein nachprüfbares Beispiel geben und Namen nennen, um zu zeigen, wie Mitarbeiter von Zeitungen Entwicklungen steuern, verschieben oder gar unterbinden können, im besten Fall ohne darüber nachzudenken. Die Fakten: ein in deutsch-weissrussischer Kooperation gänzlich neu entwickeltes Galerieprojekt in Düsseldorf Flingern, wird von einer Journalistin der WZ, Frau Helga Meister, besucht – sie sagt, sie möchte etwas über die Künstler und die Idee der Galerie schreiben. Alle Fragen werden der Journalistin detailliert beantwortet. Aus diesem Interview entsteht ein Artikel, der zum größten Teil das genaue Gegenteil der Interviewinhalte berichtet und die Galerie-Idee nicht nur vollständig unterschlägt, sondern sie regelrecht untergräbt. Ein Artikel, der in Teilen bis heute im Internet erscheint und sich für diese Galerie letztlich imagezerstörend ausgewirkt hat. Frau Meister, die sich mit den Sternchen der regionalen Szene immer wieder gern selbst fotografisch in Szene setzt, berichtete in ihrer Arbeit ohne jeden Skrupel davon, das die Galerie nur Künstler des Stadtteils zeigt, alle Macher aus Flingern stammen und das selbst die Galeristin im Haus wohnen würde. Was scheinbar harmlos klingt ist nicht nur falsch, es ist zudem für den beginnenden Ruf einer international ausgerichteten Kunstvermittlung eine weltweit abrufbare, fatale Fehlinformation. Die so in der Zeitung und später im Web angezeigte, angeblich regionale Ausrichtung der Galerie, die offizielles Mitglied des BVDG und der profilierten Düsseldorfer Galeriengemeinschaft „parallel“ ist, verfügte jedoch von Beginn an über ein breit gefächertes Angebot von Künstlern verschiedener programmatischer Ansätze und Nationalitäten aus ganz Deutschland und tatsächlich zur Hälfte aus Osteuropa. Das Ziel, der auf privater Initiative entstandenen, mit hohem persönlichem und finanziellem Einsatz gestalteten Idee, osteuropäische Kunst und Kultur, gerade aus dem weitgehend unbekannten Weissrussland hinter dem Vorhang des Politischen und Unsichtbaren hervor zu holen und in Düsseldorf öffentlich diskutieren zu lassen, wurde von der Kulturredaktion der WZ und Frau Meister mit einer Leichtfertigkeit verspielt, die im schlimmsten Fall den Verdacht der Korruption oder der Absprache innerhalb des Systems der Galerien und des Kulturjournalismus in Düsseldorf nahelegen könnte. Das nach diesem Artikel verhängte Hausverbot von Frau Meister hatte zum Resultat, dass für eine gewisse Zeit in keiner wichtigen Zeitung der Region mehr Reaktionen oder Artikel über die Galerie erschienen. Noch nicht einmal zum Anlass der erneuten, auch kunsthistorisch gesehen, nicht unbedeutenden Ausstellung mit Deutschlands erster Aktionskünstlerin Chris Reinecke in Düsseldorf, der Mitbegründerin der legendären LIDL Gruppe. Diese Künstlergruppe hat Reinecke in Kunstkreisen und ihren Ehemann Jörg Immendorf in der Welt berühmt gemacht (noch etwas, das man hinterfragen müsste). Wäre dies ein journalistischer Einzelfall, so würde man vielleicht resigniert mit den Achseln zucken, jedoch liegen diesem Blog Informationen vor, das auch in einem anderen Fall Frau Meister für die WZ erstelltes Bildmaterial zur Verfolgung eher persönlicher oder vielleicht politischer Ziele benutzte. Ein Foto, das von ihr auf einer Kunstausstellung gemacht wurde, taucht im Zuge eines sozio-politischen Tauziehens um alte Fabrikgebäude später in eben diesen Zusammenhängen wieder auf. Auf diesem Fotos abgebildet auch Menschen, die mit den Zielen des Artikels überhaupt nicht konform gehen. Hier hätte zumindest eine einfache Recherche gut getan. Übrigens: mehrfache Versuche Gegendarstellungen der offensichtlichen Unwahrheiten in der WZ zu erhalten, wurden mit der Androhung von sehr teuren und langwierigen Gerichtsverfahren durch den damaligen Vorgesetzten von Frau Meister in mehrstündigen persönlichen Gesprächen mit der Galerieleitung unterdrückt.
Dieser Blog plädiert hiermit nachdrücklich für einen Journalismus der Kritik, aber gegen journalistische Fahrlässigkeit und eklatanten Machtmissbrauch.
Die Frage, ob Blogs den seriösen Journalismus beschädigen, darf somit gerne auch ganz anders gestellt werden.

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Schulz,

    vielen Dank für Ihren Artikel.
    Klar zu formulieren, was schon lange bekannt ist, war längst fällig.
    Der Fall Meister und WZ ist nur ein signifikantes Beispiel für die verwobenen Strukturen zwischen Kuratoren, Journalisten, Galeristen und Käufern. Jemand, der sich dem nicht andient, hat kaum eine Chance.
    Als begeisterte Kunstsammlerin weiß ich, wie schwer es ist, einen umfassenden Eindruck der zeitgenössischen Kunst zu gewinnen. Man muss sich schon sehr schützen, solchen Manipulationen nicht zu erliegen.
    Es bleibt zu wünschen, dass frische unabhängige Köpfe, wie sie, die Agitationen von Frau Meister, Frau Peters und Co. als veraltet und destruktiv hinter sich lassen.

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  2. Endlich ... die Wahrheit!
    Heute bin ich kaum noch in Düsseldorf, mein Atelier ist mehr als 500 Kilometer weit weg und heute lese ich endlich das, was viele seit Jahren dachten aber nicht denken wollten. Ich habe Frau M. als einen Mensch erlebt, der mich und meine Atelierpartner und unsere Galerie damals als "Hobbykünstler" öffentlich betitelt hat. Diese Frau hat uns mißachtet und nicht mehr als Mißachtung empfinde ich dafür bis heute und heute kann ich zurückschauen und die selbe Mißachtung für all die Menschen empfinden, die sich lange Jahre anbiederten und ohne Rückrat durch die Düsseldorfer Kunstszene wandelten. Ich danke für diesen Blog und freue mich auf mehr.

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