Mittwoch, 19. Januar 2011

Street Art, die Stadt, der Tod.























Die Methoden der Vereinnahmung und jede werbestrategische Mehrfachnutzung sogenannter Street-Art-Künstler und Sprayer sind Legion und werden gerne mit selbstgefälliger Attitüde besprochen.
Es gibt keinen Grund über die Eingliederung von Street-Art in den Kunstmarkt besorgter zu sein als über die zu schnelle gesellschaftliche Absorbtion jeder anderen Kunstform auch. Wenn man allerdings Alex Rühles kleinlaute Auslassungen zur Street-Art in der SZ liest, mag man aufhorchen: scheint selbst ein manifestiertes Ranking solcher Kunst in den Neuerscheinungen des Buchmarktes für den Autor kein diskussionswürdiges Problem dazustellen. Eine ursprünglich tribalistisch und sozial motivierte Form der Selbstdarstellung wird hier mit Methode genialisiert und dem zugeführt wohin alle Kunst wandert – behält sie nur lange genug eine gewisse Ähnlichkeit – um gelabelt zu werden: in einer verkürzten Anerkennung als Produkt. Die Street-Art birgt allerdings Möglichkeiten neuer gesellschaftlicher Einsichten, die weit über städtische Fahrradkarten, auf denen die neuesten Arbeiten von Banksy oder Slinkachu verzeichnet sind, hinausgeht. Die Besprechung erinnert fatal an die verstümmelt rezipierte Version von „Jeder Mensch ist ein Künstler“ durch die Bild-Zeitung der 60er bis 80er Jahre, die zwar zu einem Zuwachs von Malkursen an Volkshochschulen führte, jedes revolutionäre Moment der Kunst jedoch zu verhindern wußte (siehe letzter Blogbeitrag). Das diese öffentliche Rolle jetzt der Süddeutschen Zeitung zukommt bestürzt.
Aber es sind auch die Künstler selbst die den Diskurs leichtfertig verschenken. Der öffentliche Raum und die Marke „Street-Art“ sind nicht nur für Firmen interessant, sie eignen sich ebenso aus Künstlersicht zur Selbstpopularisierung in Manier der Guerilla-Werbung. Der Umstand das Künstler sich meist selbst vermarkten müssen wird gerne vergessen. Er passt nicht so recht zum verträumten, idealisierten Künstlerbild. Die Entwicklung der Street-Art/ Urban-Art hat zu einem Rundum-Design des Öffentlichen geführt, durch soziale Netzwerke und YouTube ebenso vervielfacht wie instrumentalisierbar. Die fühlbaren Nischen und blinden Flecke einer Gesellschaft sind mittlerweile in den stylischen Präsentationsmodus geschaltet. Todd James u.a. liefern eine verdünnte Biennalemusik dazu.
Es beginnt jetzt die Zeit, in der die öden und für Sprayer unerreichbaren Flächen unter den Brücken der Stadt zu einer uniquen Dimension der Stille reifen.

Zur Weiterentwicklug der Street Art

Donnerstag, 13. Januar 2011

Johannes Stüttgen auf der Birkenstrasse und das Kapital kommt nach Flingern


























Den gegenseitigen Begrüssungen zufolge wirkte es wie ein Treffen alter Bekannter, die der Einführung in den erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys durch Johannes Stüttgen beiwohnen wollten. Ort: ein Kunstverein auf der Birkenstrasse in Düsseldorf Flingern. Das als kreativ gehypte Viertel Düsseldorfs, in dem die ersten Galerien schon wieder abwandern, ist bestimmt nicht der schlechteste Ort für das Gespräch über einen Kunstzusammenhang, der den gesamten Menschen fordern will. Johannes Stüttgens Unmittelbarkeit im Vortrag wirkt auch deswegen so symphatisch, weil der, trotz seiner langen Erfahrung bei der unermüdlichen Klärung von Fragen, suchende Stüttgen, der im vorgestellten besten Sinne Künstler Stüttgen, immer präsent ist. Nicht nur in einer gelegentlich vorsichtigen Suche nach der formenden, den Sinngehlt weitertragenden Wortwahl, sondern auch in der Gestik und Bewegung zeichnet er so Teile der Arbeit von Joseph Beuys deutlich nach. Es ist jedoch auch eine sprachliche Welt in die hier eingeführt werden muss. Präzise Begriffsdefinitionen und Kontexteinfügungen führen zu strukturierenden Perspektiven, wie bei der Materie und der Erde als Widerstand oder den erweiternden Zusammenhängen von Kapital und Kreativität. Ob am späteren Abend viele der Zuhörer die Über- und Unterschneidungen der Begriffe Substanz, Materie und Material noch so klar verinnerlicht haben werden, wie zum Zeitpunkt des Vortrags, ist schwer zu sagen: gerade in einer Zeit in der das Piktogramm beginnt die Sprache zu bespaßen. Daher ist es eines der Verdienste von Joseph Beuys die Erfahrungen über das Material und die Zeichnung – als ein Urtypus des Bildes – wieder auf menschliche Ebenen gelenkt zu haben, die mit Kopf, Gefühl und Willen nachvollzogen werden können und daher beständig wichtiger werden. Johannes Stüttgen sei unter anderem dafür Dank, daß wir das nicht so schnell vergessen wollen. Eine seiner Publikationen aus dem Jahre 1983 hat mich immerhin mit veranlasst herauszufinden was es bedeutet Künstler zu sein und trotzdem Humor zu haben.
Es hiess nach einem Titel der Bild-Zeitung: „Professor lag der Länge nach in Margarine.“

Johannes Stüttgen liest aus DER GANZE RIEMEN

Dienstag, 11. Januar 2011

Triegel malt den Papst nach Leipzig
























Den Pabst von einem Foto abmalen dürfen und glauben, das sei ein Tabubruch? Das ist sehr lustig, Herr Triegel. Aber so äußern sie sich im Feuilleton der Welt von letzer Woche. Soweit wir alle wissen: der Papst ist mittlerweile ein netter Popstar mit leidlich grosser Anhängerschaft. Das manche ihn für ein Symbol halten ist die kulturelle Tellerrandidee eines schon lange verkauften Sinns. Nicht an eine Avantgarde zu glauben ist ebenso ein Allgemeinplatz, aber daraus falsche Schlüsse zu ziehen ist noch weniger eine Leistung. Sie hätten zudem gern selbst einen Glauben? Na, dann machen Sie sich doch einen, oder nehmen Sie einen aus dem großen Angebot. Glauben kann man alles. Man muss nur wollen. Kunst füllt die Leerstelle der Religion übrigens schon seit langem nicht nur in Ihrer Vorstellung, sondern gefühlt tatsächlich aus, und das eben nicht zum Vorteil der Gesellschaft. Dazu fehlen der Kunst die Möglichkeiten korrektiver Hinwendung und ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Konsens. Wenn man den überhaupt suchen möchte, erreicht man ihn nicht mehr über religiös-mythologische Substrate, gezeugt im Glauben an das Handwerk. Damit stärkt man höchstens das System „Kunstprodukt“ in seiner heutigen, gesellschaftsklitternden Funktion. Fragen nach dem Avantgardismus sind ebenso veraltet, wie ein altmeisterlich wirkendes Gemälde vom Papst Teil jeder Bierwerbung sein könnte. z.B. zwei Japaner und der Papst hängt im Biergarten ... Jedes kreativ motivierte Papstbild ist das Gegenteil eines Tabubruchs. Es ist ebenso konform, so angepasst wie eine sehnsuchtsvoll zurückschauende Maltechnik heute als blosse Methode unter Hunderten gleich gültiger Möglichkeiten erscheinen muss.
Aber: ein toller Hund war auf dem Atelierfoto.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Wutbürger beten.


























Ausdrücklich vermeidet die Deutsche Gesellschaft für Sprache jede Wertung zum Wort des Jahres 2010. Warum eigentlich? Es heißt „Wutbürger“ und keiner weiss wirklich, ob man sich über das Wort freuen kann oder nicht. Vielleicht ist es die phonetische Nähe zu „Gutbürger“ die irritiert? Das Wort ist vor allem deshalb Wort des Jahres geworden, weil es gezählt sehr häufig von der Presse gebraucht wurde, vor allem um die Haltung der Bürger bei den Protesten in Stuttgart zu beschreiben. Was hat die Presse nun dazu veranlasst dieses Wort immer wieder für sich zu nutzen? Welches öffentliche Bild aufständischer Bürger hat man damit erzeugt? Wut ist eine Emotion von grosser Wucht, die in Demokratien unserer Prägung wenig erwünscht ist. Die Verbrämung des Wortes mit Aspekten des undefiniert Bürgerlichen verschleiert die Kraft dieser Emotion. In Wirklichkeit wurde in Stuttgart ein Aufstand niedergeschlagen. Die Demonstrationen zu Stuttgart 21 war auf keinen Fall ein Zusammentreffen von Wutbürgern. Das soll in etwa so harmlos klingen wie ein Wettessen von Hamburgern oder das Feiern mit Blutsbrüdern. Die Redaktionen der führenden Presse dürfen wahrlich nicht stolz sein auf dieses Wort.
Es betet die Demokratie weiter herunter.


Ein echter Bürger.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Schirn Frankfurt, Outsider?



















Die Kuratorin der Schirn, Dr. Martina Weinhart, lässt es erstaunlicherweise zu, daß ihre Ausstellung „Outsider“ einen Begleittext erhält, der einem Offenbarungseid aktueller Kunst gleicht. Er trennt auf groteske Weise noch im 21. Jahrhundert eine sogenannte normale Kunst von einer sogenannten Outsider Kunst. Das vor allem etwas unerfahrene Kuratoren gerne eine vorhandene Ordnung übernehmen, ist aus ihrer Sicht verständlich und vermutlich der  wenig kreativen Ausbildung geschuldet. Der Text belegt jedoch, wie wenig heutige Kunst aus Sicht der Schirn noch in der Lage zu sein scheint, sich in neuen Positionen und im Denken abseits von Normen und Konventionen zu bewegen. Er zeigt zudem die klischeehafte Aneignung des Begriffes „Outsider-Kunst“ des Kunsthistorikers Roger Cardinal. War es denn nicht von jeher geradezu eine Notwendigkeit guter Kunst im Allgemeinen grenzerweiternde Aspekte des Lebens erscheinen zu lassen? Zur weiteren Erhellung hier ein Auszug aus dem offiziellen Text der Frankfurter Schirn zur angesprochenen Ausstellung: „Das Denken jenseits der Norm lässt fantastische Werke entstehen. Gebunden an die schöpferischen Fähigkeiten, an seelische Zustände, die vom Alltäglichen, „Normalen“ mehr oder weniger abweichen, enthüllen Outsider-Künstler in ihren Werken Unerwartetes. Häufig am Rande der Gesellschaft stehend, beleuchten sie die Grenzen und Widersprüchlichkeiten des menschlichen Daseins und vermitteln eine tiefe Unruhe über die Beziehungen zwischen Wirklichkeit und Fantasie. Sie lenken den Blick auf die undurchsichtigeren Wege des Denkens und geben Anlass zu grundsätzlichen Fragen.“ Gilt eine solche kuratorische Belanglosigkeit nicht stets und für alle Kunst? Hätte die Art Brut nicht als antiakademische Bewegung die Möglichkeit geboten, über diese Weltanschauung als Sichtweise zu diskutieren? Wäre das nicht die didaktische Chance des Museums gewesen? Warum werden die derzeit in der Schirn ausstellenden Menschen immer noch mit dem Titel Outsider gelabelt? Ist das irgendwie interessanter? Obwohl die Kunst längst arriviert ist und nicht mehr outside ist, wie der Ort der Ausstellung selbst gut zeigt. Geht es um einen irren Reiz? Ist diese innere Trennung der Kunst nicht tatsächlich ein unbemerkter Nachbrenner der Kunstauffassungen aus dem Dritten Reich? Die an der Ausstellung beteiligten Künstler wie Aloïse, Judith Scott, George Widener oder August Walla haben so einen Unsinn auf jeden Fall nicht verdient.
Starke Bilder allemal – in einem offensichtlich unaufmerksamen Museum.

Für echte Outsider hier klicken ...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Jochen Gerz, 2-3 Strassen

Jochen Gerz wohnte für uns in einem Haus in Essen.




















Wie schon oft ist es Jochen Gerz mit der jetzt beendeteten Aktion „2-3 Strassen“ wieder gelungen, mit, soweit es sich übersehen lässt, gesellschaftlichem Gewinn, die Vorstellung vom einfachen Bürger mit der überholten Idee der heutigen Künstler als Polarität sowohl in Frage zu stellen als auch zu nutzen: Kreative aus ganz Europa zogen in verschiedene, bewohnte Häuser im Ruhrgebiet für ein Jahr – und alle haben darüber in einem offenen Buch geschrieben. Die Idee einer gesellschaftlichen Autorenschaft, die er sucht und die seiner Arbeit stets zugrunde liegt, ist so entscheidend und vielversprechend, daß er es schwer haben dürfte jenseits seiner Bezüge zur Erinnerungskultur langfristig in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Der Grund dafür ist einfach: die Ideen sind wichtig und zerstören inhaltlich die trägen Auffassungen von Kunst. Noch sorgen die öffentlichen Auftraggeber aus eigenem Interesse für die notwendige Pressearbeit. Der finanzielle Einsatz der öffentlichen Trägerschaft muss schliesslich beglaubigt werden. Gerz hat jedoch Elementares verstanden und seine Grösse liegt auch im steten Suchen nach dem geeigneten Bild für den Anstoss zu neuen, komplexen gesellschaftlicher Prozessen. Jochen Gerz ist damit ein deutlich wichtigerer, aber weitaus schlechter bezahlter Künstler als die gestrigen Richter oder Gursky. Gerz Konzepte, die sich auf den Wandel der ästhetischen Anschauungen beziehen, verlangen nichts weiter als die Neuorientierung der Kunst schlechthin und einen Verzicht auf herkömmliche Bildformen. Damit deckt sich seine Auffassung mit denen aktueller Kunstgruppen, die allerdings den Begriff der Autorenschaft oft vollkommen freigegeben haben. Die Autorenschaft allerdings scheint Gerz noch stets mit dem Einzelnen und seinen persönlichen Ideen zu verbinden, womit er dem Verständnis des genialischen Künstlers noch verhaftet bleibt. Das er mit seiner Arbeit wichtige Felder neuer Kunst bearbeitet ist ein kaum einschätzbarer Wert für uns alle.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Wikileaks zum Kunstwerk erklärt.

Alte Angst wird gegen Wikileaks benutzt ...


























Ist das nicht Kunst? Die Internetplattform wikileaks macht geheime, selten zu sehende Informationen, Bilder und Dossier aus politisch verantwortlichen Kreisen öffentlich und für jeden zugänglich. Wer könnte sich darüber aufregen? Jeder der halbwegs mit beiden Beinen auf der Erde steht kann leicht einsehen, daß dies ein Schritt gegen Geheimdiplomatie, Faktenverschleierung, Unehrlichkeit, Machtmissbrauch der politischen Klasse und damit gegen Unterdrückung und für die Verwirklichung einer demokratischen Grundordnung ist. Vielleicht ist Wikileaks eines der spektakulärsten Kunstwerke unserer Zeit. Wir alle sollten es dazu erklären. Ein Werk von glänzender Schönheit. Es dechiffriert die überkommenen Methoden der Politik und klart den Himmel unserer verstrickten Welt ein wenig auf. Gerade in den medialen Nachwehen kann wundervoll beobachtet werden, wie unendlich weit sich Diplomaten und selbst demokratische Volksvertreter und Regierungen von den Ideen der Verantwortlichkeit und Offenheit gegenüber ihren Bürgern, für die sie letztlich arbeiten und die sie bezahlen, entfernt haben. Herr Geissler wurde benutzt um diesen Graben in Deutschland zuzuschütten. Wie wird das weltweit gelingen? Der Finger ist in der Wunde und die Politik benimmt sich wie im B-Movie. Sonst nichts.

Wie aus wikileaks ein Kunstwerk wird. Hier klicken.

Dienstag, 30. November 2010

Schlichter Spruch zerredet Demokratiebewegung

Sieht das cool aus, oder was?














Es verwundert nicht, dass der heutige Schlichterspruch ein Lächeln auf das Gesicht der Verantwortlichen der Deutsche Bahn zaubert. Obwohl die von Herrn Geissler auch medial geschickt gelenkte Schlichtung auf die meisten von uns ausnehmend gerecht wirken soll, letztlich sind alle Beteiligten ins gemeinsame (sic!) demokratische Boot gekommen und haben das berühmte „Gespräch auf Augenhöhe“ möglich gemacht, ist unklar, ob auch alle mit heiler Haut aus der Situation heraus gekommen sind. Apropos Augenhöhe: das bisherige Gefälle der politisch Verantwortlichen gegenüber dem Engagement der Bürger könnte wohl nicht klarer ausgedrückt werden als mit diesem Zitat des Tages. Tatsache ist, dass Stuttgart 21 rechtlich immer auf sicherem Boden stand und ein Gespräch nur stattgefunden hat, um die öffentliche Brisanz der Bürgerbewegung zu entschärfen und vom Demokratiebegriff zu entkoppeln. Ein modifizierter Bahnhof oder „S21plus“ dürfte daher keine Überraschung sein. Einige etwas deprimierte Gesichter von K21 Befürwortern zeugten sympathischerweise von echter Hoffnung auf mögliche Veränderung. Die sogenannte Bürgerrechtsbewegung hat in einer großen Detailversessenheit ihre Professionalität überzeugend dargestellt, jedoch damit viel zerreden lassen und detaillierte Informationen geliefert, um Stuttgart21 nun auch öffentlich wasserdicht zu machen. Es wurde ja alles getan ... Die Demo-Luft dürfte bei vielen empörten, weil ungerecht behandelten Menschen, eine wenig raus sein. Wenn gestandene Landesväter plötzlich behaupten, seit den Prozessen um S21 viel gelernt und wichtige demokratische Erfahrungen gemacht zu haben, wirft das ein grauenhaftes Licht auf den Stand von Erfahrung und Emphatie der von uns gewählten Politiker. Jedoch ist das politische Ziel der Befürworter der Rechtssicherheit erreicht: das Ende der gefährlich großen Demonstrationen. Sie sind näher an der Bürgerrevolte gewesen als vielen bewußt war– auch für die Bundespolitik keine entspannte Situation. Ob sich neue demokratische Verfahren als Resultat der Stuttgarter Gesprächskultur abbilden lassen können, wird man noch beobachten müssen. Das bedeutet für die politische Klasse ihre Macht ab- und in die Hände des Volkes zurückzugeben. Die Historie hat gezeigt, so etwas passiert selten aus Einsicht. Herr Geissler muss sich nun für das eigentlich dürftige Schlichter-Resultat als Erneuerer der Demokratie feiern lassen. Das dürfte ihn selbst überraschen.

Donnerstag, 25. November 2010

Neues Morsbroich Neues Rheinland


























Das Museum Morsbroich muss tief in die professionelle kuratorische Trickkiste greifen. Die unter der Ko-Kuratierung von Markus Heinzelmann stehende Ausstellung, trickreich Neues Rheinland genannt, versucht eine lose Gruppe von Künstlern, oft aus dem direkten Galerienumfeld Leverkusens, mit den Leistungen der ZERO Gruppe und nicht näher bestimmten Größen der 1980er Jahre zu verknüpfen. Gleich einer Corporate Identity werden diese Künstler der 1970er Jahrgänge nun „Neues Rheinland“ und „Postironische Generation“ gelabelt, sollen doch alle Teilnehmer ein gemeinsames Interesse an bestimmten Themen haben. Diese Themen stellen sich als die Ablehnung der Ironie heraus, die man durch Ernsthaftigkeit und Humor ersetzt sieht. Ein Schachzug. Humor steht hier für die Hinwendung zum Trotz-Allem. Nur, es fehlt der rechte Glaube an eine im Kapitalismus groß gewordene und zusammenhängende Generation – in Zeiten fortschreitender Entropie – die man so einfach auffächern könnte. In der Ausstellung sind Künstler einer Generation, denen vor allem akademische Humorlosigkeit, die überzogenen Einkommensvorstellungen der 1980er und die Resignation vor ihrer eigenen politischen Rolle bei den globalen Problemen eigen ist. Galt es doch stets die ausgetretenen kapitalistisch vorgeprägten Wege und die Strukturen nachzuzeichnen, um sich am Markt behaupten zu können und dennoch eine angeblich verinnerlichte Kapitalismuskritik vor sich her zu tragen. Selten findet man so viel Hochmut und fehlende Distanz zur eigenen Arbeit wie in den Ausstellungen und Galerien dieser Leute. Die erneute Hinwendung zum Handwerk und zu seltener eingesetztem Material könnte auch als ein deutliches Zeichen für die anstrengende Substitution von Inhalten gelesen werden. Ein Spagat. Auch die Gegenüberstellung von Ironie und Ernsthaftigkeit als Gegensätzliches ist als Ansatz eher fragwürdig, oder, wenn man die Begrifflichkeiten definiert, deutlich verkopft.  Man wird sehen, ob eine ernstgemeinte Ausstellung in Leverkusen zustande gekommen ist oder ob man einigen, mit dem Museum verbundenen rheinischen Galerien den Gefallen tut etliche ihrer Künstler zum Jahreswechsel noch mal unter der markanten Sammler-Headline des Neuen Rheinland aufzuwerten.
Aber wo ist das im Homepagetext des Museums postulierte Engagement der Künstler? 
Und worin besteht es? Es wird Zeit die Dinge zu Ende zu denken. 

Dienstag, 23. November 2010

RFBK. Aufruf zur Revolution der Künstler.


Offene Wege.















Es ist soweit. Die Gesellschaft und die Medien sind zwar gefühlt durchdrungen von Kunstpräsentationen beinahe heilsbringerischer Ausmaße, nur klafft die Schere zwischen einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion, den Menschen ausserhalb des Kunstdiskurses und den Künstlern, soweit auseinander wie nie. Was die Kirche seit langem erlebt steht der Kunst noch bevor. Eine stärker werdende Spaltung versucht ein neues Projekt mit dem Namen „Revolutionäre Front Bildender Künstler“, und dem Kürzel RFBK zu überwinden. Die bisherigen bildnerischen Kunstformen werden rigoros in Frage gestellt, um z.B. über das radikale Hinterfragen des Künstlerbildes, zu gesellschaftlich relevanter Kunst und einer elementaren, auch politisch sich verantwortlich zeigenden Bildsprache zu gelangen. Offenbar kann man in die RFBK eintreten, sich selbst damit zu einem Künstler subversiver Prägung erklären und Vorschläge zu völlig neuen Kunstformen hinterlassen. Kritische Künstler in die RFBK. Endlich geht's los ...

Mehr zur Mitgliedschaft in der RFBK hier klicken.

Freitag, 19. November 2010

Migros kauft Mecksepers Ölbohrturm


Der Bohrturm ist von Thomas aus dem Spielzeughandel und dieser Blog bekommt dafür kein Geld.
























Liebe Frau Josephine Meckseper,
es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, politische Kunst würde aussehen wie ein nachgebauter Ölbohrturm. Das ist so schlicht, wie es die künstlerischen Auffassungen derjenigen bedient, die sich mit der Goutierung plakativer Kunst für gesellschaftskritisch halten. Das Gegenteil ist der Fall. Produkte dieser Art manifestieren und unterstützen auf geradezu perfide Weise das System, das zu kritisieren man vorgibt. Sie fahren Ihr freudiges Schifflein offenbar ohne Angst, aber eine unmutige Brise blaeht die schlaffen Segel. Überraschenderweise nimmt die Migros-Bank mit dem Ankauf der Arbeit teil am erkenntnisfreien Fall. Sie geben aber auch eine Zeitschrift heraus. Die ist kritisch und das stimmt dann doch freudig. Kommen Sie in die RFBK.



Samstag, 13. November 2010

J.L.Byars im Schloss ohne Zukunft

LED Leuchte eines unbekannten Meisters























Frustrierend ist der Umstand, das im Rahmen der Quadriennale Düsseldorf Arbeiten von James „I'm from the future“ Lee Byars nur im Schloss Benrath gezeigt werden. Als ich vor dem Schloss stehe, erfahre ich, das Einlass zu Byars nur mit einer Führung möglich ist. Soweit so gut. Kann man akzeptieren. Die Führung wäre eigentlich auch jetzt um 11. 00 Uhr, da hätte ich normalerweise gerade Glück, sagt die Kassiererin, aber heute wäre die Führung ausgefallen, da keine Besucher da gewesen seien. Ausser mir versteht sich. Ich schaue auf die Uhr. Es ist 11.00 Uhr. Düsseldorf, die Kulturstadt? Danke schön. Für eine Fahrt von der Innenstadt nach Benrath braucht man mit der Strassenbahn etwa eine halbe Stunde. Das macht über eine Stunde überflüssiges Herumfahren. Die Dame an der Kasse hat mir dann netterweise handschriftlich die Führungszeiten aufgeschrieben. Denn gedruckt waren sie nicht zu haben. Die nächste Führung war drei Stunden später. Mein Interesse für James Lee Byars war eigenartigerweise ein wenig erlahmt. Beehren Sie uns bald wieder.
Mit meinen persönlichen Grüßen an die Leitung der Quadriennale.

Carsten Reinhold Schulz

Beuys d'Ackermann

























Beinahe unheimlich empfehlenswert ist die Düsseldorfer Beuysausstellung „Parallelprozesse“, die von Marion Ackermann verantwortet wird.  Dort kann man zwar keine Weihnachtsgeschenke kaufen, aber man kann etwas sehr Aktuelles mitnehmen: die Vorstellung einer absoluten Hinwendung zum Leben, die im vollen Glauben an die Kunst mündet. Das geradewegs leichtfertige Gefasel der Zeitschrift Monopol zu dieser wunderbar klaren Ausstellung im Düsseldorfer K20 ist theoretisiert und nicht empfunden. Das macht die dort notierte Kritik zum Fehlen des Künstlers Beuys in seinem Werk, (eine ewige, unsinnige journalistische Litanei ...) praktisch wertlos. Kaum eine andere Kunst fordert so leicht zu einfachen Fragen auf, Fragen die jeder in der Lage ist zu stellen. Kaum ein anderes Werk ermöglicht so direkte, persönliche, menschliche Zugänge in einer hochaktuell gebliebenen Kunst. Eine wunderbare Überraschung ist die letzte Arbeit des Künstlers mit Obstleiter, Stahlseilen und zwei Eisenkugeln.

Hingehen. Und dann nochmal hingehen.

Joseph Beuys
Parallelprozesse
Bis 16. januar 2011. K20 Grabbeplatz, Düsseldorf

Salonkunst für Flingern


























Als die WELT vor kurzer Zeit den Vergleich anstellte, Flingern sei das Kunstviertel Düsseldorfs auf internationalem Niveau, so dürfte das die Stadtväter und die Tourismusbranche gefreut haben. Eine neue, wenn auch temporäre Einrichtung in Sachen Bilder im Viertel, dürfte der Kunstsalon Flingern sein. Die ehemaligen Räume der Galerie Walbröl (zu Zeiten als das Wort Gentrifizierung nur in echten Großstädten bekannt war) und spätere Fotostudio des Portrait-Fotografen Emil Zander, wurden nun nach dem unsanften Rausschmiss des hundefreundlichen Designladens mit dem funktionalen Namen „Unterhaltung“, wieder mehr in Richtung traditioneller Kunst und Fotografie gerückt. Um den Fotografen Zander herum, der auch selbst ausstellt, gruppiert sich eine Gruppe Kunstschaffender aus dem umliegenden Stadtgebiet.
Denkenswert: wird in Berlin ein Raum frei, findet sich schnell eine Gruppe Wilder die mit neuen Positionen zumindest den gemeinsamen Willen zeigt die Kunst zu verändern. In der heimlichen Hauptstadt der plastischen Schönheitschirurgie Düsseldorf wird aus solchen schönen Gelegenheiten eine vorweihnachtliche Verkaufsaustellung mit zumeist schön gerahmten Arbeiten. Das macht vermutlich den kleinen Unterschied zu Berlin und allen anderen Hauptstädten dieser Welt aus. Joseph Beuys war es, der einmal feststellte, daß man sich in Düsseldorf zwar in Ruhe seine Projekte ausdenken könnte, realisieren müsste man sie jedoch woanders.
Dieses Klima ist kaum abzuschütteln und wirkt gelegentlich irritierend.
Kunstsalon in Flingern,
Ackerstrasse/Ecke Dorotheenstrasse
bis 21. 12.2010

Brewster Stereoskop

Sonntag, 31. Oktober 2010

J.S.Foer: Tiere essen


























Wenn Künstler Verantwortung übernehmen, kann das so aussehen wie dieses Buch. Vor der Unfassbarkeit der globalen Situation und den überbordenden Problemen unserer Welt will Foer sich nicht davonstehlen. Anhand der Massentierhaltung und den gesteuerten Zusammenhämgen industrieller Nutzung von Tieren, zeigt er klar unsere Selbstgefährdung als menschliche Spezies und unsere spektakuläre Borniertheit gegenüber dem Leid anderer auf. Warum uns nicht längst alle das Grauen packt, angesichts milliardenfachen jährlichen Leids, das durch den Konsum von billigem Fleisch jeglicher Art erzeugt wird, bleibt unser derzeitiger gemeinsamer schleierhafter Wesenszug. Das Buch Foers sollte aber langfristig beschäftigen und zu grundsätzlichen Fragen selbstgewählter Werte führen. Wir können nachdenken und ebenso können wir vordenken. Daher sind wir in der Lage, die dringend gesuchten Wege zu finden, uns sinnvoll vom Gängelband der industriellen Fleischversorgung (und anderer industrieller Machenschaften) abzukoppeln, um ökologische Ungleichgewichte und die erschreckende Probleme des weltweiten Hungers langfristig in den Griff zu bekommen. Wie überwindet man also die jede Weiterentwicklung hemmende Ignoranz und Verdrängung? Alle die etwas verstanden haben müssen aufstehen – müssen Wege finden, ihre Meinungen laut hörbar zum Ausdruck zu bringen. Das sind zu reaktivierende demokratische Notwendigkeiten.
Es geht um Alles. Fast immer.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Eduard Mörike im Teppichladen








































Leichtfertig sagt man, dass die deutsche Literatur im Leben keinen Platz mehr findet und die tägliche Normalität die Leistungen unserer Literaten praktisch unter den Teppich gekehrt hat.
Weit gefehlt. Tatsächlich zeigt diese Aufnahme der „Düsseldorfer Teppichtage“, das Eduard Mörike, mittlerweile als einer der großen Dichter des 19. Jahrhunderts erkannt, mit praktischen sprachlichen Aufhellern dazu beiträgt, der Freude, die in Verbindung mit Schnäppchen beim Teppichkauf entsteht,  wieder einen zentralen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu verschaffen. Als evangelischer Pfarrer hätte Mörike sicherlich grossen Spaß an den beinahe unglaublich preiswerten Angeboten dieses Geschäfts gehabt.
„Man muss halt immer etwas haben, worauf man sich freut ...“ s.o.

Solange Literatur sich noch offen in der Urbanität zeigt, kann es nicht schlecht um die neue europäische Denkergeneration stehen.
Erscheinungen überall ...

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Bei Kraut wird schwer gebechert.

























Als ich die Einladung zur Erstpräsentation eines neuen Düsseldorfer Kunstmagazins mit dem Titel „Kraut“ in den unweigerlich dazugehörenden Salon des Amateurs erhielt, habe ich mich erstmal gefreut. Die Stadt ist in dieser Hinsicht nicht besonders vielfältig ausgestattet. Ein neues, kreatives Baby des Direktorenpaars des NRW FORUM Wenzel/Lippert war also durchaus dazu angetan Neugier anzufachen. Nach dem ersten Blättern hinter dem grafisch etwas schwammigen Titelblatt wurde jedoch schnell klar: hier geht es wohl um Selbstvermarktung der ungeschickteren Art. An sich schön produziert, hat man durch den Verzicht auf eine Broschurbindung, trotz des aufwändigen Papiers, nicht nur einen Anklang an Schulheftästhetik in der Hand, sondern muss beim Lesen zuviele Lobhudeleien der immergleichen Protagonisten der Kunstwelt Düsseldorfer Provenienz inhalieren. Das gipfelt in  einem wappenartigem Familienstammbaum der Becher-Klasse, bei dem schnell klar wird worum es bei dieser 01 Ausgabe des Magazins eigentlich geht: eine weitere Manifestation der angeblichen Düsseldorfer Schule als Markenzeichen und Stereotyp. Alle sattsam Bekannten dürfen reinschauen, alle dürfen mal was sagen. Becher, Struth, Gursky, Becker, die Band Kreidler (die haben ein Abo ...), die bösen Akademieprofessoren und die guten Akademieprofessoren, die in Wirklichkeit längst verdrängten 1960er-70er Jahre, Kraftwerk nicht zu vergessen, die teuerste Fotografie der Welt – die aktuelle Ausstellung von Stephen Shore ist Anlass, all diese immergleichen Dinge mal wieder auszugraben. Die gezeigten jungen Fotografen wirken als Alibi. Das soll möglicherweise Internationalität made in Düsseldorf erzeugen und hinterlässt doch eher Selbstgestricktes, Verklebtes. Im Magazin selbst ist kein neuer oder eigener Ansatz zu entdecken. Wohl eher der verspätete Versuch an die Werbemethoden anderer Museen anzuknüpfen.
Dazu scheitert die gute Idee eine Empfangsdame des Museums, Frau Linden, zu interviewen, am unfertigen Menschenbild der offensichtlich minderjährigen Fragestellerin. Es ist leider der kürzeste Text im Magazin ...
Sprachlich von den Werteverlusten in der Kunst auf den Marktwert des in Düsseldorf heimischen Fotolabors und Marktführers Grieger hinüber zu spielen, ist nicht nur inhaltlich peinlich, sondern eine zu offensichtliche, redaktionell schlecht getarnte, vierseitige Werbeplatzierung der Firma Grieger, die auch noch das Lektorat der Zeitschrift innehat. Der beschriebene Zusammenhang lässt sich mit dem Hinweis auf die plattformübergreifenden, Kunst und Kommerz verbindenden Gehversuche des Museums NRW Forum nicht überzeugend verarbeiten. Es darf nicht reichen, den seit langem eingeschlagenen kommerziellen Weg des Museums mit einem veralteten Kunstdiskurs zu kaschieren.
Aber das ist längst typisch Düsseldorf.
Es geht also weiter beim NRW Forum wie es auch das bisherige Gesamt-Programm zeigt: schön gehängtes Altbewährtes, Industrielles, Werbeästhetik, das übliche Zeugs ohne echte Traute – eben Kraut.
Voilà.

Etliche schöne Fotos sind jedoch drin in der Zeitung.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Shannon Finley: "Specters into Signals"

















Die Veröffentlichung "Specters into Signals" von Shannon Finley liegt jetzt vor und diese mit sechs Orginal Vierfarb Linolschnitten versehene Ausgabe ist ein kleiner Schmuckstein im persönlichen Kunstbuch- oder Editionsregal.
Auf seinen farbintensiven Leinwänden legt Finley zahllose Farbfelder aufeinander, bis an der Oberfläche geometrisch abstrahierte Räume sichtbar werden. Durch die unzähligen Schichten entstehen Figuren, die wie Hologramme wirken. Signalfarben und die Formensprache können auf die Ästhetik von frühen Computerspielen verweisen, aber sie handeln durch Referenzen an Farbmystik, Mandalas bis hin zur Leuchtkraft von Kirchenfenstern.
Empfehlenswert.

Mit 6 vierfarbigen Linolschnitten und Offset-Abbildungen
Broschur, 56 Seiten, 500 Exemplare, 26 EUR

Bestellungen unter    www.christianehrentraut.com

Samstag, 2. Oktober 2010

Achim Beermanns Porzellanatome


























Irgendwie passend zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland stellt der Düsseldorfer Objekt-Designer Achim Beermann der modernen Tafel aufsehenerregende Alternativen zur Verfügung. War „Schwerter zu Pflugscharen“ mal ein Slogan der friedensbewegten Menschen der 1970er Jahre, ist es beim Designer heute nicht der politsche Aktionismus, sondern eine an der Ästhetik der unsere Gesellschaft kernspaltenden Kraftwerke orientierte Formensprache, die es Beermann erlaubt, ein aufwändig produziertes Porzellan-Set aus Zuckerdose, Salz und Pfefferstreuer bezugsreich Brücken ins Jetzt schlagen zu lassen.
Die in kleiner Serie entstandenen Objekte gehören auf den intelligenten Tisch.

Mehr zu Achim Beermann. Hier klicken

Freitag, 1. Oktober 2010

Beuys 21: Stuttgart und die Revolution.




















Niemand wäre darauf gekommen, daß es die Hauptstadt des Ländle sein wird, an der sich zeigt, was die Demokratie und der Souverän in Deutschland noch bedeutet. Die Politik ist aufgerufen sich erkennen zu geben: welche Werte werden in Zukunft entscheidend sein? Sind es die Sachverwalter unseres Landes mit kurzfristigen Zielen und Macht-, bzw. Profitinteressen die das entscheiden? Werden es langfristige Ziele sein, die dem menschlichen Zusammenleben den Vorrang geben und die endlich diese Werte für alle sichtbar definieren? Die RFBK wurde heute beim Stuttgart-21 Solidaritätstreffen auf dem Düsseldorfer Bahnhofsvorplatz gesehen. Das bedeutet die notwendige Verbindung zwischen Kunst und Widerstand ist hergestellt. Zwölf im Hintergrund abgestellte Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei in Kampfanzügen standen etwa 150 sehr ruhigen Demonstranten gegenüber. Viele Fahnen der Grünen, leider nur eine einsame Fahne der Antifa – dabei hat gerade die Antifa hier eine echte Aufgabe. Denn eine missverstandene Demokratie und ein Rechtssystem, das die Handlanger und die Verträge der Profiteure schützt, haben gesellschaftliche Auswirkungen die vom Bild des Faschismus nicht allzuweit entfernt sind. Denn der Mensch bleibt das Kapital. Diese Vorstellung, die seit Beuys auch von den Grünen getragen wird, darf nicht mehr fortgesetzt übergangen werden. Bei Stuttgart-21 steht so gut wie alles auf dem Spiel. Also: Aufstehen. Demonstrieren gehen.

Künstler vereinigt euch.

Mehr zur Revolutionären Front Brüderlicher Künstler.