Nachdem einer der Künstler der Ausstellung „Was uns antreibt“ (sic!) sich als Emissär der WGZ-Bank bei mir vorgestellt hat, um Druck wegen einer geäußerten Kritik auszuüben, hat der Pressesprecher der Bank in einem Telefonanruf erklärt, es entspräche nicht der notwendigen journalistischen Fairness, das Erlebte ohne Rücksprache mit ihm im „nd“- Blog zu notieren. Die Frage jedoch wie die Bank mir hätte beweisen wollen, ob der Künstler offiziell entsendet worden ist oder ob ihn ein beleidigtes Ego zu solchen Behauptungen angetrieben haben, konnte auch die PR-Abteilung der WGZ Bank logischerweise nicht schlüssig beantworten. Der Künstler schien glaubhaft. Was jetzt den Tatsachen entspricht, kann man, so man will, wohl nur versuchen zu erfühlen. Kurz vor Abschluss dieses Blogprojekts „new decontemporary-der Künstler als Kritiker“, ist durch das Thema WGZ Bank noch einmal anschaulich geworden, wieviele sehr schlichte Macht-, Interessenskonflikte und kunstferne Monströsitäten dieses Anschauungsfeld zu bieten hat.
Die WGZ Bank droht Blogger wegen einer Kunstkritik?
Man mag es kaum glauben, aber ein kritisches Kunstprojekt wie dieser Blog, freut sich über eine erstaunlich zu nennende Reaktion der Bank auf eine seiner Berichterstattungen. Sie wirkt als Präzedenzfall, der Sachverhalte offenlegt. Die Details:
Nach der Kritik am letzten Ausstellungsereignis im Foyer der WGZ in Düsseldorf, entsendet die Bankspitze vor einigen Tagen einen Emissär (Name liegt der Redaktion vor). Er soll, nach eigenem Bekunden, unseren Blog-Autor aufsuchen und wegen der veröffentlichten Kritik rügen und bewerten. Offenbar sorgen nach dem Beitrag bankinterne Querelen und Machtspiele für Probleme bei der Bewertung von Kunst-Ankäufen und ihren Folgen – dem Blog wird fälschlicherweise eine Beteiligung an diesem Machtgerangel unterstellt. Das ist vermutlich eine Überreaktion verunsicherter Entscheider in der Bank, da der Blog absolut unabhängig agiert und ausschließlich kulturelle Interessen hat. Die genannte Unabhängigkeit ist sowohl Inhalt als auch einer der wichtigsten Faktoren des Kunst- und Blog-Projekts „new decontemporary“. Während des Treffens mit dem Unterhändler der Bank, am 9. Mai in Flingern, offenbarte sich ein weiteres mal das Dilemma der Sammelleidenschaften und Ausstellungspraktiken vieler Banken oder Versicherungen: man kann Kunst nur mit Herzblut sammeln. Zum sinnvollen Zusammenstellen von Kunst muss man selbst an etwas glauben, man muss selbst eine Position vertreten können. Es reicht nicht immer, Menschen nur einzukaufen und auf Gehaltslisten zu führen, die in der Folge Einsicht in komplizierte künstlerische Sachverhalte und einen daraus resultierenden Imagegewinn verantworten sollen. Auch die Auswahl von Künstlern von ihrer persönlichen Nähe zu namhafteren anderen Künstlern abhängig zu machen, ist ein dürftiges und kein triftiges Kriterium.
Eine Bank wie die WGZ hätte es jedoch nicht nötig, einem relativ unbekannten Blog und Künstler, der in Projektform seit 2009 in die Kritikerrolle schlüpft, über einen vorgeschobenen Mittelsmann, der selbst einer der in der WGZ ausstellenden Künstler ist, mit diskreditierender Absicht in eine obskure kriminelle Nähe zu rücken oder mit einem wie auch immer gearteten, schädigenden Glaubensentzug der Düsseldorfer Professorenschaft und der anhängigen Presse zu drohen. Es ist falsch und unverhältnismäßig, nein, es ist schlicht unseriös. Solche reaktionären Intentionen arbeiten gegen innovative Experimente im Kunstbetrieb. Denn um einen solches handelt es sich bei diesem Blog.
That’s all, folks. Whatever ...
Man kann auf verschiedene Arten seinen guten Ruf verspielen.
Kunst dient in vielfältiger Weise dazu einen Ruf und das zugehörige Sozialprestige zu festigen. Dieser Umstand gilt unbedingt, wenn man eine Bank ist, die über eine nicht unbedeutende Kunstsammlung verfügt und deren kuratorische Praxis darin auch von innovativen Ansätzen geprägt schien. Ein solcher Ansatz dürfte ein Minimal-Standard sein für einen adäquaten Umgang mit aktueller Kunst – vor allem, wenn man sich die Förderung junger Düsseldorfer Künstler auf die Fahnen geschrieben hat. Sollte diese Förderung ein Qualitätsanspruch sein, dann gilt es ihn zu bewahren. Er ist ein hohes, ein verletzliches Gut. Hier sollte Fingerspitzengefühl und Kompetenz agieren. Eine solche Sammlung schafft Verantwortung und wird von vielen Augen beobachtet.
Umso weniger ist die gestrige Ausstellung in der beeindruckend großen Halle der WGZ Bank an der Ludwig-Erhard-Allee 20 nachzuvollziehen. Die große Fülle an Besuchern und die höchste Riege der städtischen Führungselite konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass jeder Anspruch an die ausgestellte Kunst von der Bank ganz offensichtlich aus den Augen verloren worden ist. Weder ließ sich ein Zusammenhang oder eine begriffliche Klammer in der kuratorischen Umsetzung der Ausstellung finden, noch hatte sich die Berlinerin Ulrike Damm, als Verantwortliche, für Künstler entschieden, die eine echte Position auch nur entfernt zu vertreten gehabt hätten. Von Aktualität oder gar gesellschaftlicher Relevanz waren alle gezeigten Arbeiten so weit entfernt wie möglich.
Wenn der Vorstandvorsitzende der WGZ Bank, Herr Werner Böhnke, in den vorab ausgegebenen Informationen die „ ... sich rasant entwickelnde Gesellschaft “ anspricht und seinen Willen bekundet „ ... der Kunst angemessenen Raum zu geben“, dann sollte er sich auch für Kunst entscheiden die diesem Anspruch genügen kann. Alles Bildnerische der jetzigen Ausstellung, sei es das im informationsfreien Vortrag von Frau Damm zitierte Bild des Malers Roda („... saugt den Betrachter ins Bild“), oder die mehrfach bekräftigte (und sehr falsche) Behauptung der Maler Schneider hätte eine einzigartige Maltechnik entwickelt, weder die bunten Nashörner eines Nagel in „Radschlägerkampagnen-Manier“ oder die ermattende Methode verwischte Fotografien von Claes mit Malerei zu verbinden können noch auf fruchtbaren Boden fallen: das alles sind bestenfalls Befindlichkeiten, nur mühsam gestützt durch Allgemeinplätze und Begriffe eines bereits lange verrauchten kuratorischen Instrumentariums. Kein Experiment ist in den Werken wirklich zu spüren, keine Neuerung, keine Bewegung, keinerlei starke Haltung, bestenfalls verkürzende Reminiszenzen an künstlerische Vorbilder. Innovativ ist vielleicht, das die Kuratorin gleichzeitig auch Verlegerin des für 20.– EUR am Abend angebotenen Kataloges ist.
Die sich deutlich zeigende, auf weniger als das Mittelmass zielende künstlerische Perspektive der Ausstellung kann bereits als Verlust der Diskursfähigkeit innerhalb des aktuellen kulturellen Kontextes gewertet werden. Hier gilt es für die Sammlung die Notbremse zu ziehen, um nicht ins Unsägliche oder kulturell Provinzielle zu geraten. Mit der ursprünglichen Offenheit der Bank und dem früher oft unter Beweis gestellten Weitblick des für die WGZ-Sammlung verantwortlichen Ralph Hartwig sind versierte Voraussetzungen für reifere Intentionen vorhanden.
Abschließend lässt sich sagen, dass bereits im theoretischen Ansatz ein obskurer Weg gewählt wurde, Titel und Inhalt der Ausstellung mit einer Imagekampagne der Volksbanken zu verbinden und diesen Gedanken als Mehrwert öffentlich in den Pressetexten zu bekunden. Der Titel „Was uns antreibt“ zielt vorderseitig eher auf psychologischen Rückzug, auf Innerlichkeit, persönliche Kompensierung innerhalb der künstlerischen Arbeit und rückseitig zu durchsichtig auf ein niederschwelliges Imageangebot der Bank.
Mit einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft oder echter Förderung von Kunst hat diese leichtfertige Ausstellung nichts zu tun.
Leider nicht empfehlenswert.
„was uns antreibt“
Foyer der WGZ Bank
Ludwig-Erhard-Allee 20
Düsseldorf, hinter dem Hbf
Öffnungszeiten:
9-19 Uhr, der Besuch ist kostenfrei
Eine Kunstausstellung „Phänomenal“ zu nennen, erzeugt natürlich eine regelrechte Begriffsautobahn, auf der sich Goethe, Lambert, Husserl oder Heidegger mit den zugehörigen phänomenologischen Einsichten in ihren intellektuellen Karren gegenseitig überholen können. Eine regelrechte Freude für Kuratoren und Kulturjournalisten. Letztendlich geht es auch bei diesen Philosophen einfach nur um Wahrheit, Irrtum und Schein, um die Wahrnehmung all dieser Dinge. Unmittelbarer kann man die Wesenheit von Kunst mit ihren Unsicherheiten derzeit nicht auf den Punkt bringen.
Wenn sich die diesjährige, von der WGZ Bank Düsseldorf bereits zum dritten Mal durchgeführte Ausstellung von Meisterschülern und Absolventen der Kunstakademie Münster gut in das kulturelle Klima eingebettet zeigt, muss das an vielen funktionierenden, qualitativen Faktoren liegen.
Wer zuhörte, konnte bereits bei der Eröffnung festzustellen, dass für die Kunst-Verantwortlichen der Bank Sensibilität und Veränderung offenbar erwünschte Größen sind. Das verdient gerade in dieser Kombination Respekt, das sortiert sorgsam gepflegte Vorurteile aus. Die Eröffnungsansprache von Bank-Kulturchef Thomas Ullrich war kurzweilig und klar, wie die folgende Einführung von Prof. Ferdinand Ullrich eben diesen Namen absolut verdiente. Er steuerte den hochinteressanten Katalogtext bei, der sich sensibel mit den Lebens-Bedingungen von Künstlern und den Lehrinhalten in Akademien auseinandersetzt. Das verdient Beachtung, denn solange es solche profunden Überlegungen an Kunstakademien gibt, dürften Gedanken an die Abschaffung dieser freien Ausbildungsstätten obsolet sein.
Zusammengestellt wurden Künstler und Kunstwerke von Ralf Hartweg und Wolfgang Spanier, die Ihr kuratorisches Können durch ein hohes Maß an Künstlernähe und der erstmaligen, überfälligen Einbettung von anderen künstlerischen Medien wie Fotografie und Video gut zeigen konnten. So waren auch Reflexionen in Richtung Malerei möglich, die selbstreferentiell mittels des guten alten Tafelbild nicht möglich gewesen wären – Beispiele sind da z.B. die Fotografien Jörg Linnemanns oder die Mixed-Media Video-Arbeit von Anja Claudia Pentrop.
Künstler die gerade ihr Studium abgeschlossen haben, müssen nicht fertig sein, der zusätzliche Reiz ihrer Arbeiten liegt in der noch vorhandenen Offenheit und in der Nähe zum Experiment. Um so mehr freut bei dieser Ausstellung, neben der Freude über das Fehlen plakativ-extremistischer Werke, die sich immer wieder anders zeigende große Klasse mancher Bilder und Skulpturen. So wirkt die Elefanten-Plastik von Sun-Hwa Lee gerade aufgrund ihrer scheinbaren Einfachheit des Ansatzes oder wegen der verunsichernden mitteleren Größe, lange im Kopf nach. Anfängliche Zweifel weichen jedoch bald der Einsicht, das die Künstlerin hier auf geheimnisvolle Art alles richtig gemacht hat. Genauso bemerkenswert sind die etwas verstörenden Fotografien (und Performances) von Bianca Voss. Durch reale Widergängermodels aus Comic/Film oder der Einbindung der eigenen Person spielt sie gekonnt und ohne plakative Übertreibung mit unseren Vorstellungen und den Rollen in der Fotografie. Eine malerische Entdeckung ist auch Marianne Völker und Daniela Neuhaus (Bild oben), die gerade mit kleineren Formaten nachhaltige Wirkung hinterlässt. Die Ausstellung ist demnach gelungen, was selbst durch die etwas schwierige Raumsituation, einen durch vier Eckstellwände nach innen verdoppelten Raum, nicht verhindert wird. Diese Aufteilung ist vermutlich dem fulminanten Andrang bei der Eröffnung geschuldet. Somit hatten die etwa 400 anwesenden Besucher, von denen etliche als Größen des nationalen und internationalen Kulturbetriebs identifiziert werden konnten, ausreichend Platz, um eine gelungene, mit spannenden Positionen versehene Ausstellung durch ihr Kommen zu fördern. Denn der Fördergedanke und die Nähe zu den Akademien Düsseldorf und Münster ist es schliesslich, der diese Ausstellungsreihe vor sechs Jahren begründete.
Um den Kreis zu vollenden, möchte ich mit einem philosophischen Begriff aus der Theorie der Phänomene, der sogenannten „Abschattung“, die einen so deutlichen Bezug zur Malerei hat, zum Ende kommen. Sie bezeichnet die Tatsache, das wir Menschen die Dinge nie mit einem Blick vollständig werden sehen und erfassen können, was in der Perspektive, also unserem Standpunkt begründet liegt.
In Bezug auf die Lebendigkeit der Kunst ist dies ein durchaus nützlicher Umstand. Er wird hoffentlich junge Künstler weiterhin motivieren, die sich abdunkelnden Erkenntnislücken phantasievoll zu beleuchten.
Empfehlenswerte Ausstellung.
Die Künstler:
Jihoon-Ha, Sujin Kim, Barbara Kupfer, Sun-Hwa Lee, Jan Linnemann, Daniela Löbbert, Nico Mares, Bettina Marx, Daniela Neuhaus, Anja-Claudia Pentrop, Marianne Völker und Bianca Voss wurden zur Präsentation bei „Phänomenal“ ausgewählt.
Die Kuratoren:
Ralf Hartweg (WGZ Bank), Wolfgang Spanier
Ausstellungdauer: 10. März – 16. April 2010, WGZ Bank Düsseldorf
Ein Katalog zur Ausstellung „Phänomenal“ mit Texten von Prof. Ferdinand Ullrich ist erschienen: