Drift, Übergriff, Kritik. Ein offenes Kunstprojekt von Carsten Reinhold Schulz
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Mittwoch, 15. Juni 2011
New Decontemporary in Istanbul
Foto: Gestern Nachmittag an der Galata-Brücke in Istanbul. Ich habe mir erlaubt mal kein kritisches Statement abzugeben, sondern einfach das schönste Bild von meinem jetzigen allerersten Türkeibesuch eingestellt. Beste Grüße an alle Leser.
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Sonntag, 12. Juni 2011
Kunst im kleinsten gemeinsamen Nenner.
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Es ist nichts Neues, daß Kunst in vordergründig schöngeistigem Habitus mit PR-Kampagnen verquirlt wird – solche Verbindungen waren, auf die eine oder andere Art, immer präsent. Es erschreckt jedoch, daß diese Auswüchse zur Regel zu werden drohen. Niemand und schon gar kein Künstler darf sich heute darüber aufregen, dass Kunst auf immer durchsichtigere Art und Weise benutzt und bagatellisiert wird, will er nicht Gefahr laufen als Nestbeschmutzer zu gelten. Solange es noch so aussieht als ob Kuratoren, Geldgeber und Künstler ihre kulturellen Behauptungen gemeinsam aufstellen, sind auch Besucher und Medien zufriedengestellt. Was aussieht wie ein endlich durchgesetztes demokratisches Grundprinzip ist tatsächlich die Opferung diskutierbarer Inhalte zugunsten eines kulturellen Minimal-Konsens verschiedener Interessengruppen: man findet sich auf der Ebene öffentlicher Selbstdarstellung glückselig zusammen. Sie bedeutet zugleich die gruselige Legitimation durch ein gemeinsam genutztes System ausschliesslich quantitativ ausgerichteter Wahrheiten. Diese erzeugen in erster Linie den monetären Selbsterhalt im Vergleich zum qualitativ ausgerichteten subjektiven, künstlerischen Experiment, das jedoch in der Lage wäre gesellschaftliche Orientierung und Relevanz zu erzeugen.
Applaudiert wird daher mehr und mehr dem kleinsten gemeinsame Nenner.
Und eigentlich soll Alles nur Jedem gefallen …
Na, denn.
Düsseldorf Book of Photography
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Sonntag, 29. Mai 2011
Mittwoch, 20. Oktober 2010
Bei Kraut wird schwer gebechert.
Als ich die Einladung zur Erstpräsentation eines neuen Düsseldorfer Kunstmagazins mit dem Titel „Kraut“ in den unweigerlich dazugehörenden Salon des Amateurs erhielt, habe ich mich erstmal gefreut. Die Stadt ist in dieser Hinsicht nicht besonders vielfältig ausgestattet. Ein neues, kreatives Baby des Direktorenpaars des NRW FORUM Wenzel/Lippert war also durchaus dazu angetan Neugier anzufachen. Nach dem ersten Blättern hinter dem grafisch etwas schwammigen Titelblatt wurde jedoch schnell klar: hier geht es wohl um Selbstvermarktung der ungeschickteren Art. An sich schön produziert, hat man durch den Verzicht auf eine Broschurbindung, trotz des aufwändigen Papiers, nicht nur einen Anklang an Schulheftästhetik in der Hand, sondern muss beim Lesen zuviele Lobhudeleien der immergleichen Protagonisten der Kunstwelt Düsseldorfer Provenienz inhalieren. Das gipfelt in einem wappenartigem Familienstammbaum der Becher-Klasse, bei dem schnell klar wird worum es bei dieser 01 Ausgabe des Magazins eigentlich geht: eine weitere Manifestation der angeblichen Düsseldorfer Schule als Markenzeichen und Stereotyp. Alle sattsam Bekannten dürfen reinschauen, alle dürfen mal was sagen. Becher, Struth, Gursky, Becker, die Band Kreidler (die haben ein Abo ...), die bösen Akademieprofessoren und die guten Akademieprofessoren, die in Wirklichkeit längst verdrängten 1960er-70er Jahre, Kraftwerk nicht zu vergessen, die teuerste Fotografie der Welt – die aktuelle Ausstellung von Stephen Shore ist Anlass, all diese immergleichen Dinge mal wieder auszugraben. Die gezeigten jungen Fotografen wirken als Alibi. Das soll möglicherweise Internationalität made in Düsseldorf erzeugen und hinterlässt doch eher Selbstgestricktes, Verklebtes. Im Magazin selbst ist kein neuer oder eigener Ansatz zu entdecken. Wohl eher der verspätete Versuch an die Werbemethoden anderer Museen anzuknüpfen.
Dazu scheitert die gute Idee eine Empfangsdame des Museums, Frau Linden, zu interviewen, am unfertigen Menschenbild der offensichtlich minderjährigen Fragestellerin. Es ist leider der kürzeste Text im Magazin ...
Sprachlich von den Werteverlusten in der Kunst auf den Marktwert des in Düsseldorf heimischen Fotolabors und Marktführers Grieger hinüber zu spielen, ist nicht nur inhaltlich peinlich, sondern eine zu offensichtliche, redaktionell schlecht getarnte, vierseitige Werbeplatzierung der Firma Grieger, die auch noch das Lektorat der Zeitschrift innehat. Der beschriebene Zusammenhang lässt sich mit dem Hinweis auf die plattformübergreifenden, Kunst und Kommerz verbindenden Gehversuche des Museums NRW Forum nicht überzeugend verarbeiten. Es darf nicht reichen, den seit langem eingeschlagenen kommerziellen Weg des Museums mit einem veralteten Kunstdiskurs zu kaschieren.
Aber das ist längst typisch Düsseldorf.
Es geht also weiter beim NRW Forum wie es auch das bisherige Gesamt-Programm zeigt: schön gehängtes Altbewährtes, Industrielles, Werbeästhetik, das übliche Zeugs ohne echte Traute – eben Kraut.
Voilà.
Etliche schöne Fotos sind jedoch drin in der Zeitung.
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Freitag, 5. Februar 2010
Giacometti und Sotheby’s

Titelseiten sind nicht lustig. Titelseiten haben eine Aufgabe. Titelseiten machen Stimmung. Selbst die Süddeutsche Zeitung bringt heute den Giacometti als teuerste Kunst-Versteigerung aller Zeiten auf die erste Seite. Die vermittelte Information bleibt eher dürftig: einige Kunstanleger oder im besten Fall Kunstliebhaber sind weiterhin bereit ihre extragroßen Portokassen für gute Arbeiten der Moderne zu öffnen. „Was solls?“, könnte man denken. Jedoch fällt auf, dass sich die Spirale der Preise im Kunstsektor – trotz der tatsächlich existierenden wirtschaftlichen Problematik vieler Menschen – auf einer gewissen Ebene weiter nach oben dreht. Titelseiten machen also Stimmung. Stimmung vielleicht dafür, dass es in einer Zeit, die keine sinnvolle globale Weiterentwicklung bei den nuklearen, geopolitischen und ökologischen Interessensfeldern der Menschheit bietet, dennoch Werte gibt für die es sich lohnt, mit dem hoch vernetzten und in Teilen menschenverachtenden kapitalistischem System bedingungslos fortzufahren? Für die Eigner von Sotheby’s und Co. ist das Ergebnis nur folgerichtig, nach ihrer Kopplung des Auktions- und messedominierten Kunstmarktes und den Interessen der industriellen Eliteprodukte aus dem Mode-Lifestyle-Sektor, die ja alle von einigen wenigen Händen verwaltet werden. Ein Schelm ist also, wer bei Titelseiten an PR denkt. Für diejenigen die es sehen wollen, ist die Höhe der Kunstpreise ein sicherer Ausguck über die glitzernde Leere der in den Museen gepredigten Ersatzreligionen. Dort wird verzweifelt versucht eine sehr angestrengte Übung durchzuhalten: den Spagat zwischen musealem Bildungsauftrag, der durch viele Besucher sinnvoller scheint, und finanzpolitischen Interessen. Das klingt auch im Bekenntnis von Raimund Stecker an, der sofort nach Bekanntgabe des Millionen-Loses die verstärkte Bewachung der Giacomettisammlung seines Duisburger Museums ankündigt. Was bewacht ist, muss eine Attraktion sein – im Hintergrund sieht man die Kronjuwelen glänzen. Verständlich, dass auch die Duisburger vom Rekordverkauf profitieren wollen. Ein Besuch bei den Giacomettis ist allerdings nie umsonst.
Bild: „A-giacometti-ghost-extended“ © crschulz kulturproduktion, Düsseldorf 2010
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